21.05.2026 Wirtschaft & Verkehr – Gerd Demitz

Weniger Regeln, weniger Kosten

Nächster Schritt für Führerschein-Reform

Die Bundesregierung plant unter Verkehrsminister Patrick Schnieder eine umfassende Reform der Fahrausbildung. Das Ziel ist es, den Führerschein durch Digitalisierung und Bürokratieabbau moderner, schneller und vor allem kostengünstiger zu machen (aktuell liegen die Durchschnittskosten bei rund 3.400 Euro). Die Reform soll nach Abstimmung mit den Bundesländern zum Jahreswechsel in Kraft treten.

Die Präsenzpflicht im Theorieunterricht fällt weg. Fahrschüler können flexibel wählen, ob sie online per App, hybrid oder weiterhin in Präsenz lernen. Änderungen gibt es auch bei der Theorieprüfung. Das Bewertungssystem wird vereinfacht (jede Frage zählt einen Punkt statt der bisherigen 2 bis 5 Fehlerpunkte). Zudem wird der Fragenkatalog verkleinert. Sicherheitsrelevante Fragen müssen jedoch weiterhin zwingend korrekt beantwortet werden.

Die starre Vorgabe von 12 Sonderfahrten (Autobahn, Überland, Nachtfahrt) entfällt. Die Anzahl der benötigten Stunden richtet sich künftig individuell nach dem Können des Fahrschülers. Die Mindestfahrzeit bei der Praxisprüfung für die Klasse B sinkt von 30 auf 25 Minuten, die Gesamtprüfungsdauer von 55 auf 40 Minuten. Dies soll Wartezeiten auf Prüfungstermine verkürzen. Über eine „Experimentierklausel“ dürfen Fahrschüler nach bestandener Theorieprüfung und 6 professionellen Fahrstunden private Fahrpraxis sammeln. Die Begleitperson (zum Beispiel die Eltern) muss seit mindestens 7 Jahren den Führerschein besitzen.

Eine zentrale Online-Datenbank soll Preise und Erfolgsquoten der Fahrschulen veröffentlichen, um einen besseren Qualitäts- und Kostenvergleich zu ermöglichen. Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten für Fahrschulen werden deutlich reduziert.

Es gibt aber auch Kritik an den Plänen. Seit Ankündigung der Reform verzeichnen Fahrschulen einen Einbruch bei den Neuanmeldungen, da viele Interessierte auf die günstigeren Konditionen warten. Die Fahrlehrerverbände äußern zudem Bedenken. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände lehnt reinen Online-Unterricht, die Kürzung des Fragenkatalogs sowie die Reduzierung der Sonderfahrten (wichtig für die Unfallprävention) ab. Auch die geplante Laienausbildung stößt auf strikte Ablehnung.

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