01.10.2026 Ratgeber – Redaktion

Kino bringt Menschen ins Gespräch

Sozialpsychiatrischer Verbund zieht positive Bilanz

Drei Filmabende mit über 150 Besucherinnen und Besuchern sowie zahlreiche offene Diskussionen, der Sozialpsychiatrische Verbund des Landkreises Harburg zieht eine positive Bilanz der ersten Sozialpsychiatrischen Filmtage. „Diese Veranstaltungsreihe hat verdeutlicht, wie effektiv das Medium Film dazu beitragen kann, Berührungsängste abzubauen, Perspektiven aufzuzeigen und den Dialog zu fördern“, erklärt Aileen Conrad.

Psychische Erkrankungen sind oft nicht äußerlich erkennbar, weshalb die Hemmschwelle, sich mit dem Thema zu befassen, häufig hoch ist. Betroffene und Angehörige sehen sich oft mit Vorurteilen oder Ablehnung konfrontiert. Die neuen Sozialpsychiatrischen Filmtage setzten hier an. Sie holten das Thema psychische Gesundheit aus der Tabuzone direkt auf die Kinoleinwand. Mit Filmen wie „Alles steht Kopf“, „Systemsprenger“ und „A Beautiful Mind“ wurden verschiedene Krankheitsbilder beleuchtet.

Doch die Filme waren nicht der einzige Fokus. „Besonders wichtig waren die anschließenden Debatten. Sie waren persönlich, fachlich fundiert und von Offenheit sowie Respekt geprägt“, stellte Aileen Conrad fest. Filme machen komplexe Themen greifbar, indem sie Geschichten erzählen und es ermöglichen, sich über die Perspektiven der Charaktere an schwierige Themen heranzutasten.

Aus dieser Grundlage entwickelten sich Gespräche, die weit über die Filme hinausgingen. Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Gäste teilten ihre Sichtweisen. Dabei wurde deutlich, dass Unterstützung oft schon durch aktives Zuhören und die Bereitschaft, das Erleben anderer ernst zu nehmen, beginnt.

„Unsere Gesellschaft benötigt weniger vorschnelle Urteile und mehr aufrichtiges Interesse am Gegenüber“, resümiert Dr. Peter Schlegel, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises. Es sei entscheidend, nicht nur nach dem „Was stimmt nicht?“ zu fragen, sondern nach den Hintergründen und Bedürfnissen. „Empathie bedeutet nicht, für jedes Problem eine Lösung zu haben. Manchmal reicht es, präsent zu sein und zuzuhören“, so Schlegel.

Die Diskussionen zeigten zudem, dass Begegnung auf Augenhöhe bedeutet, auch unterschiedliche Meinungen respektvoll auszuhalten. „Eine offene Gesellschaft profitiert von Vielfalt und unterschiedlichen Perspektiven“, betonte Kreisrätin Ana Cristina Bröcking. „Wir sollten wieder verstärkt miteinander statt übereinander sprechen, erst nachfragen, bevor man bewertet.“

Die Gespräche boten Raum für den Austausch über zentrale Fragen. Wie werden psychische Erkrankungen erlebt? Welche Rolle spielen das soziale Umfeld und professionelle Hilfe? Und wie können wir verhindern, dass Menschen in Krisen ausgegrenzt werden?

Die ersten Sozialpsychiatrischen Filmtage leisten somit einen wichtigen Beitrag zu einer empathischeren Gesellschaft. Dieser Dialog soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

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