17.09.2026 Aktuelles – ein
Shamonda-Virus bei Rindern
Veterinäramt ruft Tierhalter zur Vorsicht auf
Das neue Shamonda-Virus ist im Landkreis Harburg angekommen. Das Veterinäramt des Landkreises Harburg ruft die Tierhalterinnen und Tierhalter insbesondere von Rindern, Schafen, Ziegen zu besonderer Achtsamkeit in Bezug auf Symptome auf, die auf eine Infektion hinweisen können. In der Vergangenheit kannte man die Infektion von Tieren mit dem Shamonda-Virus nur aus Afrika, Asien und Australien. Nun hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zwei leicht veränderte Formen dieses Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe zunächst in Süddeutschland festgestellt. Inzwischen breitet es sich auch in Nord- und Ostdeutschland weiter aus. Auch im Landkreis Harburg sind vier Tierhaltungen betroffen.
Infiziert werden überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Infektionen wurden auch bei Pferden und Alpakas bestätigt. Das Virus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen. Eine relevante direkte Tier-zu-Tier-Übertragung ist nicht belegt, allerdings erfolgt die Übertragung während der Trächtigkeit vom Muttertier auf die Nachkommen.
Infektionen mit dem Virus führen bei erwachsenen Tieren in der Regel zu einer kurzen Ausbreitung im Blutkreislauf der Tiere und lediglich zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. Aktuell lässt sich noch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang das Virus zu Infektionen tragender Tiere und damit zu möglichen Schädigungen der ungeborenen Kälber oder Lämmer führen kann. Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber oder Lämmer aus möglicherweise betroffenen Beständen sollten daher besonders aufmerksam untersucht werden.
Übertragen wird das Virus durch Gnitzen und damit witterungsabhängig bis etwa Ende November. Die höchste Aktivität der Gnitzen wird üblicherweise zwischen Juli und Oktober beobachtet. Aufgrund der grundsätzlich effizienten Übertragung durch Gnitzen muss deshalb mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden.
Klassische Bekämpfungsmaßnahmen gibt es für das Shamonda-Virus nicht. Trotzdem kommt der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen und Mücken in Betracht, um das Infektionsrisiko zu mindern. Darüber hinaus kann der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt werden, dass das schädigende Stadium der Trächtigkeit außerhalb der Gnitzensaion liegt. Impfstoffe stehen vorerst aber noch nicht zur Verfügung.
Beim Auftreten der akuten Symptome wie Milchrückgang, Fieber und Durchfall bei Rindern sollten geeignete Proben zur Abklärung einer möglichen Infektion mit dem Shamonda-Virus durch die Haustierärztin oder den Haustierarzt an Lebens- und Veterinärinstitut Oldenburg als Untersuchungseinrichtung weitergeleitet werden. Ebenso sollten auffällige neugeborene Tiere untersucht werden.
Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand besitzen Shamonda-Viren kein relevantes Übertragungsrisiko auf den Menschen. Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten ist unbedenklich. Ein Infektionsrisiko wird vom Friedrich-Loeffler-Institut als unwahrscheinlich eingestuft, jedoch im Rahmen der vollständigen Charakterisierung des Erregers vorsorglich weiter überwacht. Auch Haustiere wie Katzen und Hunde sind bislang nicht betroffen.
