03.11.2026 Aktuelles – Redaktion
Erdöl im Alltag
Lebendige Erinnerungen

Auf dem Ölfeld Reitbrook standen noch bis in die 60er- und 70er-Jahre mehrere Pferdekopfpumpen. Foto: FLMK
Ehestorf – Das Freilichtmuseum am Kiekeberg hat am 29. Oktober eine historische Erdölförderpumpe eingeweiht. Die als „Pferdekopfpumpe“ oder „Nickesel“ bekannte Anlage stammt aus dem Hamburger Erdölfeld Reitbrook von Neptune Energy. Baugleiche Pumpen waren auch im heutigen Landkreis Harburg im Einsatz. Das Industriedenkmal steht nun auf der grünen Wiese und erzählt die Geschichte der regionalen Erdölförderung. Finanziert wurde das Projekt durch den Förderverein des Museums.
Sybille Kahnenbley, Stiftungsratsvorsitzende des Freilichtmuseums, begrüßte die Projektbeteiligten aus dem Museum, dem Förderverein, Neptune Energy und den geologischen Landesämtern. Sie dankte für die Zusammenarbeit und erinnerte sich: „So eine Anlage stand früher auch bei uns in Beckedorf. Noch heute sagen wir zu dem Gebiet ‚bei den Ölpumpen‘.“ Bernd Wiechel, Vorstandsmitglied des Fördervereins, freute sich, dass der Verein das Projekt ermöglichte: „Die Pumpe passt als Thema der wirtschaftlichen Entwicklung und Energieversorgung nach dem Wiederaufbau gut in unsere Königsberger Straße.“
Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums, berichtete, dass ihn die Frage nach dem Thema Erdöl im Museum packte. „Diese klassische Rettungsbergung haben wir nebenher abgewickelt“, erklärte er. Thomas Haupt, Direktor des Geologischen Landesamts Hamburg, bestätigte die Notwendigkeit: „In ein paar Jahren sind die Pumpen alle weg. Wir mussten reagieren, um die Rolle des Erdöls im Raum Hamburg zu zeigen. Als Ort für Bildung für nachhaltige Entwicklung wollen wir die Transformation vom Erdöl zu erneuerbaren Energien veranschaulichen.“ Haupt unterstützte das Museum in den vergangenen Monaten mit Fachwissen.
Mit dem Rückbau der letzten Erdölförderanlagen in der Elbmarsch verschwinden regionale Industriedenkmal aus dem Landschaftsbild. Silke Bender, Sprecherin von Neptune Energy, erklärte: „Eigentlich wurde für die Anlage bereits die Verschrottung angestoßen. Wir freuen uns, dass diese Pumpe im Freilichtmuseum dauerhaft erhalten bleibt.“ Der Rückbau des Unternehmens im Raum Hamburg dauert voraussichtlich noch sechs Jahre.
Nach einem Erdgasfund 1910 wurde 1937 in Hamburg Erdöl entdeckt. Im Zweiten Weltkrieg lieferte Reitbrook kurzzeitig mehr Erdöl als jedes andere deutsche Feld. Chris Stölting, Abteilungsleiter am Freilichtmuseum, erläuterte: „Unsere Pumpe stammt aus den 1960er-Jahren. Viele wissen nicht, dass die Förderung in der Region bis 2020 andauerte. Erdöl war ein entscheidender Energieträger des 20. Jahrhunderts. Viele Produkte in unserer Königsberger Straße, von Autos über Plastik bis hin zu Medizin, wären ohne diesen Rohstoff nicht denkbar gewesen. Daher ist die Pumpe ein wichtiger Teil unserer Vermittlungsarbeit.“
Der Eintritt ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Fördervereinsmitglieder frei, für Erwachsene kostet er 12 Euro. Weitere Infos sind unter www.kiekeberg-museum.de zu finden.
