02.04.2026 Reisen, Freizeit & Sport – Redaktion

Vier Zeitschnitte am Kiekeberg

Ehrenamtliche für die „Gelebte Geschichte“ gesucht

Foto: FLMK
So bereiteten Frauen 1904 das Mittagessen vor. Foto: FLMK

Ehestorf – Eine Zeitreise ins Landleben früher, Besucherinnen und Besucher des Freilichtmuseums am Kiekeberg erleben bei der „Gelebten Geschichte“ verschiedene Jahrhunderte hautnah. Die Darstellerinnen und Darsteller vermitteln in historischer Kleidung das Leben in vier Zeitschnitten, auf einem Heidebauernhof im Jahr 1804, im Fischerhaus um 1904, das Überleben in der Nachkriegszeit 1945 und den Alltag in der jungen Bundesrepublik 1964. Den Auftakt der Reihe bildet das Wochenende am 11. und 12. April von 10.00 bis 17.00 Uhr mit der jüngeren Vergangenheit.

Das erste „Gelebte Geschichte“-Wochenende veranschaulicht den Alltag der Jahre 1945 und 1964. In der Nissenhütte zeigen die Darsteller das Überleben ausgebombter Hamburgerinnen, Geflüchteter und von Kriegsheimkehrern in der Sammelunterkunft. Sie kochen auf einem selbstgebauten Behelfsherd, halten die Hütte sauber und bereiten den kleinen Notgarten vor. Nur wenige Schritte entfernt findet im Jahr 1964 der Frühjahrsputz in den Häusern und Gärten der Königsberger Straße statt. Anschließend trifft sich die Nachbarschaft zum Kaffeekränzchen und gibt Einblicke in das soziale Miteinander jener Zeit.

„Gelebte Geschichte 1804“, die Besucher erleben den Alltag auf einem Heidebauernhof. Frauen kochen über dem offenen Feuer, buttern und spinnen Garn aus Schafwolle. Anschließend versammelt sich die Hofgemeinschaft zum Essen.

Die „Gelebte Geschichte 1904“ zeigt zwei Lebenswelten. Eine Arbeiterfamilie lebt von Fischerei, Gemüseanbau und Handwerk, eine Kaufmannsfamilie führt ein Geschäft und beschäftigt eine Hausangestellte. Frauen kochen, waschen ab und lesen Zeitung. Ihre sozialen Unterschiede sind sichtbar.

Die „Gelebte Geschichte 1945“ vermittelt die von Not geprägte Zeit und den Neuanfang von Geflüchteten und Vertriebenen. Kaffee aus gerösteten Eicheln, „Falsche Leberwurst“ als Fleischersatz, Selbstversorgung aus dem Notgarten und Tauschhandel gehören zum Alltag.

Die „Gelebte Geschichte 1964“ bildet in der Königsberger Straße das Dorfleben in der jungen Bundesrepublik ab: Hausfrauen plaudern über den Gartenzaun mit dem Briefträger, eine Verkäuferin berät im Textilgeschäft. Am Nachmittag trifft sich die Nachbarschaft im Garten.

Für das Projekt „Gelebte Geschichte“ sucht das Freilichtmuseum weitere Geschichtsinteressierte im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, die im Zeitschnitt 1804 den Alltag früher vermitteln. In der Rolle als Knecht arbeiten die Darsteller auf einem Hof in der Lüneburger Heide, übernehmen Tätigkeiten wie Lehmbau, Löffelschnitzen und Stricken und sind fest in die Hofgemeinschaft eingebunden. Regelmäßige, kostenfreie Weiterbildungen sichern eine fundierte Vorbereitung auf das Ehrenamt. Ansprechpartnerin ist Koordinatorin Dr. Julia Daum, gelebtegeschichte@kiekeberg-museum.de. Aktuelle Informationen sind abrufbar unter www.kiekeberg-museum.de.

Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist frei, Erwachsene zahlen 12 Euro. Für an Heimatforschung Interessierte erscheint die Publikation „Living History als Vermittlungsform. Tagung zum 20-jährigen Jubiläum der Gelebten Geschichte im Freilichtmuseum am Kiekeberg“, herausgegeben von Dr. Julia Daum und Stefan Zimmermann. Der Band 107 der Schriften des Freilichtmuseums am Kiekeberg umfasst 92 Seiten, kostet 18,90 Euro und ist im Museumsladen erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-935096-79-9.

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