25.02.2026 Wirtschaft & Verkehr – Redaktion

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit

Zwei Monate lang bleibt die Lohntüte zumindest rechnerisch leer, erst ab dem 27. Februar werden Frauen für ihre Arbeit auch bezahlt. Denn der 27. Februar als Equal Pay Day macht symbolisch auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bei gleicher Arbeit aufmerksam und markiert den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten. Um das gleiche Einkommen zu erzielen, das Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten, müssen Frauen bis zum Equal Pay Day arbeiten. „Es ist höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit“, betont Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg. „Das ist auch Grundvoraussetzung für die grundgesetzlich festgeschriebene Gleichstellung. Denn ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit bleiben Teilhabe und Gleichstellung eine Illusion.“ In der Winsener Innenstadt will Andrea Schrag am Freitag, 27. Februar, für das Thema sensibilisieren.

Seit 1949 steht im Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dieser Satz wurde auf Initiative der Mütter des Grundgesetzes in unsere Verfassung aufgenommen, ein historisches Versprechen und ein klarer Verfassungsauftrag zugleich. „Doch gleichwertige Arbeit wird bis heute nicht selbstverständlich gleich bezahlt“, so Andrea Schrag. Frieda Nadig (SPD) und Dr. Helene Weber (CDU) kämpften 1949 parteiübergreifend für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, konnten sich jedoch nicht gegen ihre männlichen Parteikollegen durchsetzen. „Das Versprechen von 1949 darf kein historischer Satz bleiben, es muss endlich vollständig umgesetzt werden. Lohngleichheit ist keine Forderung, sondern ein verfassungsrechtlicher Anspruch.“

Unter dem Motto „equal pay every day“ nimmt die Equal-Pay-Day-Kampagne in den Blick, wie sich die geschlechterspezifische Lohnlücke im Laufe des Lebens entwickelt. Von der frühen Prägung durch Rollenbilder in Kindheit und Jugend über die Berufswahl, die Phase der Familiengründung bis hin zu Rente und weiblicher Altersarmut wird deutlich, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen erschweren Lohngleichheit immer wieder. Gleichzeitig zeigt die Kampagne, an welchen Stellschrauben angesetzt werden kann, um Equal Pay dauerhaft Realität werden zu lassen.

Die Lücke zwischen den durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhnen von Frauen und Männern beträgt in Deutschland offiziell 16 Prozent, das sind 4,24 Euro oder bei einer 40-Stunden Woche immerhin 169,60 Euro. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kommen Frauen auf 22,81 Euro brutto je Stunde, Männer auf 27,05 Euro. „Selbst zwischen Frauen und Männer mit einer gleichen Ausbildung und ähnlichen Position bleibt eine Lohnkluft von sechs Prozent, der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap“, sagt Andrea Schrag. „Damit gehören wir im europäischen Vergleich nach wie vor zu den Schlusslichtern.“ Und bei etwa 20 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen im Haupterwerbsalter liegt das Monatseinkommen sogar unterhalb des Existenzminimums für eine erwachsene Person.

Diese Situation hat Folgen, die das ganze Leben nachwirken: „Das ist nicht nur heute ungerecht, sondern wirkt sich später auch im Rentenbezug aus und führt dazu, dass der Frauenanteil bei den von Altersarmut betroffenen Menschen deutlich höher ist“, so Andrea Schrag.

Der Gender Pay Day richtet den Blick auf Ungleichbehandlungen rund um Erwerbsarbeit, die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit, Teilzeitfallen, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und männlich dominierte Bewertungssysteme. So sind sogenannte strukturelle Unterschiede ein Grund für die Lohnlücke. Frauen sind überproportional in den sozialen Bereichen, den sogenannten Care-Berufen, tätig, die schlechter bezahlt werden. „Daher muss es darum gehen, nicht nur den gesellschaftlichen Wert zu erhöhen, sondern auch die Bezahlung dieser Berufe zu stärken“, sagt Andrea Schrag.

Hinzu kommt, Frauen arbeiten seltener in Führungspositionen und häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Ein Grund dafür, Frauen tragen bei der häuslichen Sorgearbeit, der Pflege von Angehörigen und der häuslichen Sorgearbeit die meiste Verantwortung. „Umso wichtiger ist daher eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, die es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglicht, berufstätig zu sein und gemeinsam für ihre Kinder oder Angehörigen zu sorgen.“

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