14.01.2026 Aktuelles – ein

Wir fahren in Dunkelheit

Der Buchholzer Bahnhof während der NS-Zeit

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Die 1848x Dampflock fährt in den Buchholzer Bahnhof. Foto: ein

Buchholz – Am 27. Januar erinnert die Stadt Buchholz seit 1996 an die Opfer des Nationalsozialismus. Anlass ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Die Ausgestaltung des Gedenktages wechselt jährlich und liegt jeweils bei unterschiedlichen Vereinen, Organisationen oder Institutionen. In diesem Jahr richtet das Buchholzer Bündnis für Demokratie die Veranstaltung aus. Unter dem Titel „Wir fahren in Dunkelheit“ findet die Gedenkveranstaltung am Dienstag, 27. Januar, ab 19.00 Uhr in der Aula des Gymnasiums Am Kattenberge, Sprötzer Weg 33, statt. Im Mittelpunkt steht die Rolle des Buchholzer Bahnhofs im Nationalsozialismus sowie die Frage, wie nach 1945 mit dieser Vergangenheit umgegangen wurde.

Nach den Grußworten des Bündnisses für Demokratie und von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse folgt ein Vortrag von Elke Gryglewski. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. Zuvor leitete sie die Gedenkstätte im Haus der Wannseekonferenz in Berlin. Als ausgewiesene Expertin für Erinnerungskultur spricht sie über den Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe und über die Bedeutung von Lern- und Erinnerungsorten in der heutigen Gesellschaft.

Ein zentraler Programmpunkt des Abends ist die szenische Darstellung „Julius Dorpmöller und die Erinnerung“. Das Stück wurde in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Am Kattenberge entwickelt und thematisiert am Beispiel der Ehrung des ehemaligen Reichsbahn-Chefs und nationalsozialistischen Verkehrsministers Julius Dorpmöller im Jahr 1962 den Umgang mit der Geschichte von Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. In Buchholz wurden damals eine Erschließungsstraße der ehemaligen Bundesbahnschule nach Dorpmöller benannt und ein Gedenkstein errichtet.

Als bedeutender Eisenbahnknotenpunkt spielte Buchholz eine Rolle im System der nationalsozialistischen Deportationen. Züge mit tausenden KZ-Häftlingen in Viehwaggons fuhren durch den Ort und hielten teilweise dort, auch wenn ihr Ziel nicht Buchholz war. Die Ehrung Dorpmöllers überdeckte diese historische Verantwortung lange Zeit. Erst 1986, nach dem Einzug der Zivildienstschule in die Räumlichkeiten der Bundesbahn, wurde die Straße umbenannt nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten Kriegsdienstverweigerer Hermann Stöhr. Heute ist dieses Kapitel der Stadtgeschichte weitgehend in Vergessenheit geraten.

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