17.04.2026 Wirtschaft & Verkehr – ein

Auf Kosten der Gesundheit

Seevetal ist am Limit der Lärmbelastung

Vor der Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages in Berlin macht die Gemeinde Seevetal noch einmal unmissverständlich deutlich, dass eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn durch das Gemeindegebiet nicht vertretbar ist. Die Argumentation bezieht sich dabei auch auf ein unabhängiges Lärmgutachten der Autobahn AG. Dieses stellt fest, dass es sich bei Seevetal bereits heute um einen hochgradig lärmbetroffenen Raum handelt. Bürgermeisterin Emily Weede fordert Respekt vor der Gesundheit und Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner.

Am Montag, 20. April, findet im Verkehrsausschuss des Bundestages eine öffentliche Anhörung zur möglichen Neubaustrecke der DB zwischen Hamburg und Hannover statt. Für die Gemeinde Seevetal ist die Ausgangslage eindeutig, eine zusätzliche Hochgeschwindigkeitstrasse, größtenteils auf Stelzen oder Dämmen durch die Gemeinde geführt und mit erheblichem Zugaufkommen verbunden, würde die Belastung für die Menschen vor Ort weiter verschärfen. Eine Verkehrsinfrastruktur dieser Dimension ist für Seevetal aus Sicht der Gemeinde weder rechtlich noch tatsächlich gesellschaftlich/sozial vertretbar.

Bereits am 16. März hatte die Gemeinde einen ausführlichen Schriftsatz an das Bundesverkehrsministerium geschickt. Darin nimmt die Gemeinde Bezug auf ein nichtöffentliches Gutachten der Autobahn AG. Nach dem Gutachten sind 75 Prozent der Bevölkerung Lärmpegeln von über 55 dB ausgesetzt. Mehr als 12 Prozent leben mit potenziell gesundheitsgefährdenden Werten von über 65 dB. Ein Viertel der Bevölkerung ist nachts Lärmpegeln von über 55 dB(A) LNight ausgesetzt. Knapp 20 Prozent davon sind sogar von sehr hohen nächtlichen Belastungen von über 60 dB(A) LNight betroffen.

„Zahlen, die nicht nur Lärm beschreiben, sondern konkrete Krankheitsrisiken, wie zum Beispiel Stressreaktionen, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ebenso wie Einschränkungen der Lebensqualität“, so Bürgermeisterin Emily Weede. Das Gemeindegebiet wird bereits heute von drei Bahnstrecken, dem größten Rangierbahnhof Europas sowie drei Bundesautobahnen durchschnitten. Die A 7, die A 1 und die A 39 prägen seit Jahren die Lärmsituation vor Ort. Vor diesem Hintergrund zweifelt die Gemeinde auch die bisher veranschlagten Kosten von rund 226 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen deutlich an. Aus Sicht Seevetals sind diese Zahlen nicht annähernd realistisch. Der tatsächlich erforderliche Aufwand für wirksamen Schutz der Menschen wäre immens und letztlich unverhältnismäßig.

Zugleich fordert die Gemeinde, bestehende Kapazitäten intelligent zu nutzen, statt neue Belastungen zu schaffen. Wenn die Bahn plant, den Rangierbahnhof nicht mehr in der bisherigen Intensität zu nutzen, entstehen zusätzliche Überholmöglichkeiten. Angesichts aktueller Planungen der DB, den Rangierbahnhof nicht mehr als zentrale Drehscheibe für den Norden zu betreiben, stellt sich aus Sicht Seevetals zwingend die Frage, ob freiwerdende Gleise für Überholvorgänge genutzt werden können. Damit ließen sich Kapazitäten im Bestand ausbauen, ohne die Menschen in Seevetal weiter zu belasten.

„Wer weiß, wie sehr Menschen in Seevetal schon jetzt durch den Lärm der Autobahnen und Bahnstrecken belastet sind, erkennt die Verantwortungslosigkeit der Planung einer Neubautrasse durch unser Gemeindegebiet“, sagt Bürgermeisterin Emily Weede. „Bei uns geht nichts mehr zusätzlich durch. Wir müssen die Gesundheit und das Leben der Menschen schützen, die hier wohnen, arbeiten und ihre Kinder großziehen. Wir fordern endlich die schnelle Umsetzung von AlphaE, nur so wird es zu spürbaren Entlastungen der Bürgerinnen und Bürger in den kommenden Jahrzehnten kommen.“

Die Gemeinde Seevetal sendet damit vor der Anhörung in Berlin eine klare Botschaft in die Hauptstad. Die Grenze der Zumutbarkeit für ihre Einwohnerinnen und Einwohner ist längst überschritten. Die Gemeinde erwartet, dass der Bund, die Bahn und alle Verantwortlichen dieses als Realität anerkennen. Die Gesundheit sowie die Erhaltung der Lebensqualität der Menschen vor Ort muss im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen.

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