10.04.2026 Kunst & Kultur – Redaktion
Marathon der Worte
Nachlese zu den 11. SuedLese Literaturtagen

Mit dem Abschluss der 11. SuedLese geht eines der vielseitigsten Literaturfestivals der Region zu Ende. Unter dem Motto „Orte der Worte“ verwandelte das Festival den gesamten Süderelberaum, von Harburg bis nach Buxtehude und Moisburg, vier Wochen lang in eine lebendige Bühne für Literatur, Austausch und gesellschaftliche Debatten.
Dass die SuedLese einen festen Platz im Herzen der Literaturliebhaber hat, bewies der enorme Besucherandrang. Zahlreiche Veranstaltungen waren bereits lange vor dem eigentlichen Start restlos ausgebucht. Besonders begehrt waren die Plätze bei Michel Abdollahi, der trotz einer kurzfristigen Verschiebung aufgrund eines TV-Auftritts ungebrochenes Interesse erzeugte. Auch bei Claus-Peter Rathjens plattdeutscher Wohnzimmerlesung war der letzte Platz früh vergriffen. Wohl auch aufgrund der intimen Atmosphäre und Begrenzung auf 20 Personen. Und die Lesungen von Regina Denk (Buch am Sand) und Nils Mohl (Buchhandlung Lüdemann) zogen ein großes Publikum an und sorgten für volle Häuser. Selbst ungewöhnliche Leseorte wie das Harburger Schlagzeugstudio in Heimfeld, die gemeinhin nicht als „buchaffin“ gelten, freuten sich über einen überraschend großen Besucheransturm bei der Lesung von Maren Osten.
Das Festival bewies in diesem Jahr besondere Agilität. Während die Lesung von Olivier David krankheitsbedingt leider entfallen musste, konnte die SuedLese kurzfristig ein neues Highlight gewinnen. Die Journalistin Nina Faecke präsentierte ihren SPIEGEL-Bestseller „Gut, dass du nicht mehr da bist“ über eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung, ein Termin, der im gedruckten Programmheft noch nicht zu finden war.
Ein besonderer Fokus lag in diesem Jahr auf den „Debüts“. Organisator Heiko Langanke betonte die Bedeutung kleinerer Bühnen für den literarischen Nachwuchs: „Gut geschrieben ist noch nicht gut gelesen.“ Die SuedLese bot hier den nötigen Raum zum Experimentieren und Wachsen. Besonders hervorzuheben ist etwa Rina Schmeller: Die Lübecker Autorin präsentierte ihr beeindruckendes und intensives autofiktionales Werk „Co“ über die Facetten der Co-Abhängigkeit. Die Lesung am 15. März im Speicher am Kaufhauskanal markierte einen der emotionalen Höhepunkte des Festivals. In Buxtehude feierten fünf Krimi-Autorinnen (unter anderem Hedda Anders und Jana Stieler) ihre SuedLese-Premiere in einem rasanten Format, bei dem nach genau zehn Minuten ein Schuss die Lesezeit beendete.
Die inhaltliche Bandbreite reichte von spannender Unterhaltung bis zu hochpolitischen Diskursen. Ben Westphal gab als aktiver Rauschgiftfahnder authentische Einblicke in die Hamburger Unterwelt mit seinem Roman „Der Bulle auf St. Pauli“. Dominik Bloh berichtete eindringlich von seinen elf Jahren Obdachlosigkeit und seinem Weg zurück in ein „normales“ Leben. Und den Abschluss bildete die belarussische Philosophin Olga Shparaga, die im Kulturhaus Süderelbe über den mutigen Widerstand der Frauen in Belarus und die Kraft der Solidarität sprach. Das Organisationsteam blickt auf einen „rasanten Start“ und eine ebenso erfolgreiche Fortführung zurück, die einmal mehr bewiesen hat, dass Literatur im Hamburger Süden eine kraftvolle und verbindende Stimme hat.
