27.03.2026 Aktuelles – ein
Verschiedene Lebensräume
Wertvoller Verbund aus Wald und Offenland

Salamander, Erdkröte & Co. freuen sich über die feuchten Senken in dem Gebiet nahe Düvelshöpen. Foto: Landkreis Harburg
Er wird oft nicht als eigener, ökologisch hochwertiger Lebensraum wahrgenommen, doch der Waldrand ist mehr als eine Grenze, ein abrupter Wechsel zwischen Wald und Umland. Auf engstem Raum ändern sich hier Licht- und Wärmeverhältnisse, eine schier unendliche Kombinationsvielfalt von Strukturen und Arten, von Blüten, Blättern, Früchten und Erde sorgt für eine eigene Stimmung und ein eigenes Klima. Der Waldrand bereichert das Landschaftsbild mit ihrem Formen- und Farbreichtum, und für viele Pflanzen und Tiere, die in der intensiv bewirtschafteten Landschaft keine Lebensgrundlage mehr finden, ist er ein überlebenswichtiger Rückzugsraum. Ein solches Refugium entwickelt der Landkreis jetzt im Rahmen seines Kompensationspools nahe dem Waldgebiet Düvelshöpen bei Tostedt.
Düvelshöpen ist einer der historischen Waldstandorte im Landkreis. Seit mehr als 250 Jahren bewaldet, hat das Gebiet bereits einen besonderen Wert für die Artenvielfalt. Südlich davon wird eine 2,5 Hektar große Fläche zu einem wertvollen Lebensraumverbund aus Wald und Offenland. „Aufgrund der außergewöhnlich langen Randstrukturen, beidseitig jeweils etwa 550 Meter, können wir hier verschiedene Lebensräume hervorragend ökologisch verzahnen“, erläutert Silke Hiller, beim Landkreis für den Kompensationspool zuständig.
Dazu wurden auf etwa 20 Meter Tiefe Weißdorn, Schlehe, Faulbaum sowie einzelne Eichen gepflanzt. Dadurch entsteht ein breiter, unregelmäßiger und naturnaher Waldrand, in dem sich Vögel, Insekten und Kleinsäuger zu Hause fühlen können. Zum Schutz der jungen Pflanzen wurde ein Zaun aufgestellt, den Unbekannte leider bereits zerstört haben. Er wird nun durch ein anderes, deutlich unauffälligeres Modell ersetzt, das sich gut in die Landschaft einfügen soll und hoffentlich auf allgemeine Akzeptanz stößt.
Das dazwischen liegende Offenland hat eine artenreiche Kräuteraussaat erhalten und wird zukünftig extensiv bewirtschaftet. Einige Solitäreichen sollen sich als sogenannte Habitatbäume entwickeln, also besondere Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Pflanzen bieten.
Auf dem im Südwestbereich angrenzenden Grundstück befindet sich ein kleiner Teich, den ein Naturschutzverein betreut. „Als Ergänzung haben wir unterschiedlich tiefe Senken angelegt. Sie füllen sich bereits nach kurzer Zeit mit Wasser, das teils nur temporär gehalten wird, ideale Bedingungen für dynamische Feuchtlebensräume.“ Dieser Bereich wird nun der natürlichen Sukzession überlassen. „Wir hoffen, künftig in den dort aufwachsenden Seggen und Binsen diverse Schrecken zu finden.“
Durch die Kombination aus neuen Strukturen, Sukzessionsflächen und dem angrenzenden Wald entstehen künftig wertvolle Lebensräume insbesondere für eine Insektenart, die geradezu schwerelos durch die Luft schwebt und mit ihrem unbeschwerten Spiel von Licht und Bewegung von jeher fasziniert. An feuchten Senken sind Libellen zu finden, beispielsweise die markante Große Königslibelle oder die Blauflügel-Prachtlibelle. Aber auch Amphibien wie Erdkröten und Salamanderarten, die sowohl feuchte Bereiche und Bruchwaldstrukturen aufsuchen, sowie zahlreiche Vogelarten sollen sich in dem Gebiet wohlfühlen.
