23.03.2026 Aktuelles – ein
Zum Schutz gefährdeter Arten
Mit 2 PS gegen die Traubenkirsche

In ökologisch besonders sensiblen Bereichen der Wulmstorfer Heide werden Rückepferde im Kampf gegen die Traubenkirsche eingesetzt. Foto: Landkreis Harburg
Knacken und leises Schnauben durchbricht die morgendliche Ruhe in der Wulmstorfer Heide. Zwischen den Kiefern tauchen ein weißer und ein brauner Kaltblüter auf. Mit nur wenigen Rufen dirigiert Milan Stolzenberg die beiden mächtigen Rückepferde geschickt durch den Wald. Ein ungewohnter Anblick, aber eine besonders bodenschonende Technik für den Naturschutz. Die Naturschutzstiftung des Landkreises Harburg (NLH), unterstützt von der Abteilung Umwelt der Kreisverwaltung, setzt die Rückepferde bei einer umfangreichen Naturschutzmaßnahme in der Wulmstorfer Heide mit dem Bornberg um. Eine Woche lang ist Milan Stolzenberg vom Forstbetrieb Kay Stolzenberg aus Zernien (Lüchow-Dannenberg) dort mit seinen beiden Kaltblütern im Einsatz.
Die Naturschutzstiftung hat dort der spätblühenden Traubenkirsche den Kampf angesagt. Diese invasive Art hat die Gunst der Stunde genutzt und sich aggressiv immer weiter ausgebreitet. Damit sieht alles auf den ersten Blick zwar grün und vital aus, aber die spätblühende Traubenkirsche ist für heimische Ökosysteme eine große Gefahr. Sie überwuchert und verdrängt alles. „Stellenweise stellt sie bereits die komplette Strauchschicht dar. Da wächst nichts anderes mehr“, beschreibt Ina Schlüschen, Projektkoordinatorin der NLH und federführend bei der Renaturierung der Wulmstorfer Heide. Und genau das bringt dann das Ziel der Stiftung in Gefahr. Dort auf dem früheren Panzerübungsgelände und dem monotonen Kiefern-Stangenwald soll nach und nach ein abwechslungsreicher, artenreicher Laub-Mischwald entwickelt werden, ein vielfältiger Lebensraum für Flora und Fauna.
Daher erobert das Team aus Mensch und Tier nun behutsam zurück, was aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Traubenkirsche wird abgesägt und dann durch die Rückepferde mitsamt ihres Wurzelstocks herausgezogen. Besonders in den ökologisch sensiblen Bereichen im Übergang zum Offenland kommt diese Methode zum Einsatz.
In anderen Gebieten wird weiter mit Maschinenkraft gegen die invasive Art vorgegangen. Insgesamt werden die Maßnahmen auf rund 100 Hektar umgesetzt – eine langwierige Aufgabe. „Die Bekämpfung der Traubenkirsche wird ein jahrelanges Projekt.“ Die spätblühende Traubenkirsche stammt eigentlich aus Nordamerika, wo sie sich zu großen Bäumen entwickelt. Dort wird sie auch als Möbelholz verwendet und ihr Kirschfleisch wird zur Herstellung von Sirup, Mus, Gelee und Wein genutzt. In Europa dagegen benimmt sich die Traubenkirsche, die oft im Gartenbau oder im Wald zur Waldbrandeindämmung eingesetzt wurde, eher wie Unkraut. Sie hat einen eher strauchartigen Wuchs und überwuchert die Umgebung. „Sie verdrängt alles“, verdeutlicht Ina Schlüschen. „Eine ökologische Integration ist daher nicht möglich.“ Das bedeutet, dass sie sich so schnell und stark entwickelt, dass heimische Baumarten auf der Fläche keine Chance gegen sie haben.
Das Ergebnis, mit der Zeit steht fast nur noch spätblühende Traubenkirsche im Wald. Heide, Magerrasen, Wald und Feuchtgebiete – die Wulmstorfer Heide hat viel zu bieten. Die einzigartige Naturlandschaft, die auch ein attraktives Naherholungsgebiet darstellt, ist unter anderem Quellgebiet für den Riethbach und umfasst zahlreiche Nassbiotope. Die Naturschutzstiftung hat in der Wulmstorfer Heide als ein ökologisches Vorzeigeobjekt Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes renaturiert, und ein Refugium besonders für den Schutz gefährdeter Arten wie Kreuzotter und Heidelerche geschaffen. Dazu findet aber nicht nur eine kontinuierliche Pflege statt, das Gebiet wird zusätzlich ökologisch aufgewertet. Zur Weiterentwicklung dieses wertvollen Naturraumes wird der Wald südlich des Bornbergs klimagerecht umgebaut, eines der größten Waldnaturschutzprojekte im Landkreis Harburg.
Anstelle des strukturarmen Kiefernstangenholz mit geringem ökologischem Wert entsteht ein hochwertiger, abwechslungsreicher Buchenmischwald.
