13.03.2026 Ratgeber – Redaktion
Darf ich „Nein“ sagen?
Zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge
Wer sich um andere kümmert, vergisst nicht selten, dass er auch auf sich selbst achten muss. Schnell wird aus dem Engagement Überforderung. Doch wieviel Verantwortung trage ich? Wo beginnt Überforderung? Wie setze ich Grenzen, ohne Schuldgefühle zu entwickeln? Und was bedeutet Loslassen für mich selbst und andere? Um genau diese Fragen geht es bei zwei Trialog-Veranstaltungen des Sozialpsychiatrischen Verbundes im Landkreis Harburg im April.
Betroffene, Angehörige sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in psychiatrischen Einrichtungen können sich bei den Veranstaltungen „Im Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge, wieviel Verantwortung trage ich als angehörige, zugehörige oder betroffene Person?“ in Winsen und Buchholz aus verschiedenen Perspektiven über Erfahrungen und Hilfsmöglichkeiten austauschen. „In unserem bewährten Format des Trialogs wollen wir im Austausch zwischen Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen und Menschen, die in der Psychiatrie arbeiten, über dieses Thema diskutieren, auf Erfahrungen unserer Gesprächsteilnehmer hören und eigene Erlebnisse einbringen“, erläutert Dr. Peter Schlegel, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises Harburg.
Dafür gibt es zwei Termine, am Donnerstag, 16. April, in der Seniorenbegegnungsstätte Buchholz, Wilhelm-Baastrup-Platz 2, und am 23. April im Gemeindehaus St. Marien in Winsen, Kirchstraße 2. Beginn ist jeweils um 18.00 Uhr.
Angehörige und Zugehörige sehen sich häufig in der Verantwortung und fühlen sich verpflichtet, sich dauerhaft zu engagieren und nicht Nein zu sagen. Zu schnell meldet sich ein schlechtes Gewissen und die Sorge, nicht alles zu tun, was möglich ist. Eigene Bedürfnisse geraten dann schnell in den Hintergrund, auf sich selbst achten die Angehörigen weniger als nötig. So entsteht häufig ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch zu helfen und den eigenen Kräften.
Wie lange kann und will ich tragen? Darf ich „Nein“ sagen, wenn ich an meine Grenzen komme? Wann wird Engagement zur Überforderung? Viele erleben innere Konflikte zwischen Pflichtgefühl, Sorge und dem Bedürfnis nach Selbstfürsorge. Grenzen zu setzen kann sich wie ein Bruch anfühlen und ist doch oft eine notwendige Voraussetzung, um langfristig unterstützend bleiben zu können. Gleichzeitig stehen auch betroffene Menschen vor herausfordernden Fragen: Wann überfordere ich mich selbst, weil ich funktionieren oder niemandem zur Last fallen möchte? Wie kann ich Hilfe annehmen und dennoch meine Selbstständigkeit bewahren? Wie formuliere ich meine Bedürfnisse klar, ohne Angst vor Ablehnung zu haben? Der Balanceakt zwischen Selbstverantwortung und dem Annehmen von Fürsorge verlangt Mut und Vertrauen.
Bei den Veranstaltungen sollen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden, gegenseitiges Verständnis gefördert und neue Impulse für einen achtsamen Umgang mit Verantwortung gegeben werden. Die Trialog-Veranstaltungen bieten psychiatrieerfahrenen Betroffenen, ihren Angehörigen und Menschen, die in der Psychiatrie arbeiten, zweimal im Jahr ein Forum für den offenen und persönlichen Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Es geht vor allem um den Austausch unterschiedlicher Betrachtungsweisen, die sich ergeben, wenn man aus verschiedenen Perspektiven auf etwas schaut. Es kommt darauf an, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren, voneinander zu lernen und gemeinsam eine ganzheitliche Sichtweise zu gewinnen. Das Gesprächsformat entstand Anfang der 1990er-Jahre und hat sich in der psychiatrischen Landschaft mittlerweile fest etabliert. Mehr Informationenfinden sich unter https://www.landkreis-harburg.de/trialog.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Rückfragen steht der Sozialpsychiatrische Dienst der Kreisverwaltung unter den Telefonnummern 04171 693517 oder 04181 201980 gern zur Verfügung.
