27.02.2026 Aktuelles – Redaktion
Volltreffer für die Forschung
Neues Forschungsprojekt zu frühmittelalterlichem Gräberfeld

Das Team des Archäologischen Museums Hamburg legt auf dem Gräberfeld in Neu Wulmstorf-Elstorf ein Skelett frei. Foto: Archäologisches Museum Hamburg / Jochen Brandt
Neu Wulmstorf-Elstorf – Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung und das Archäologische Museum Hamburg starten ein umfassendes Forschungsprojekt zur wissenschaftlichen Auswertung eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes, das sich in Neu Wulmstorf-Elstorf (Landkreis Harburg) befindet. Das Projekt wird bis zum Herbst 2028 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Seit 20 Jahren forscht das Archäologische Museum Hamburg zu einem frühmittelalterlichen Gräberfeld in Neu Wulmstorf-Elstorf. Es gilt wegen seines außergewöhnlichen Erhaltungszustands und zahlreicher im Block geborgener organischer Artefakte als einzigartiges Zeugnis der Bestattungspraktiken im nordwestdeutschen Raum zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert n.Chr. Das Gräberfeld umfasst rund 580 Bestattungen sowie mehrere Pferdegräber.
Was 2006 zunächst als kleine Probeuntersuchung begann, erwies sich bereits kurz nach Grabungsbeginn als Volltreffer für die Forschung. Der Fundplatz ist eines der größten bisher bekannten Gräberfelder dieser Epoche in Norddeutschland. Während der archäologischen Ausgrabungen wurden zahlreiche Metallobjekte mit anhaftenden organischen Materialien wie Textilien, Leder, Holz, Horn und Federn im Gipsblock geborgen. Organische Materialien sind für die Archäologie besonders wertvoll, da sie extrem selten erhalten bleiben, aber gleichzeitig die detailliertesten Einblicke in das tägliche Leben vergangener Kulturen bieten.
Während Stein und Keramik oft jahrtausendelang überdauern, verrotten organische Stoffe meist innerhalb kurzer Zeit. Die Fundblöcke werden nun im Rahmen des Projekts unter Laborbedingungen untersucht, so dass die hochempfindlichen Fundobjekte dokumentiert und analysiert werden können. Die Untersuchungen sollen seltene Einblicke in Kleidung, Beigabensitten und Bestattungsabläufe erbringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich die Bestattungsriten im Laufe des Frühmittelalters verändert haben – insbesondere während der Phase der von Karl dem Großen durchgesetzten Christianisierung.
„Für den norddeutschen Raum ist Elstorf ein außergewöhnlicher Glücksfund. Die organischen Materialien eröffnen uns einen Blick auf Details des Bestattungswesens in der Zeit der Christianisierung des Nordens, die sonst kaum überliefert sind“, stellt Prof. Dr. Hauke Jöns, Projektleiter am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, fest.
Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Hamburger Landesarchäologe ergänzt: „Die langjährige Ausgrabung in Neu Wulmstorf-Elstorf ist eines der spannendsten Projekte, die unser Haus im Landkreis Harburg durchgeführt hat. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeigt die große Bedeutung, die dem Fundplatz überregional beigemessen wird.“
