09.02.2026 Kunst & Kultur – Redaktion
Altes Backhaus in neuem Glanz
Einst ein unverzichtbarer Teil des Landlebens

Der alte Backofen soll wieder brennen. Foto: Landkreis Harburg
Lüllau – Über dem Ofenloch hat sich der Ruß der Jahrzehnte in die Steine geradezu tief eingebrannt. Schwarz glänzen sie noch heute, als hätten sie all die Feuer, die hier einst loderten, für immer bewahrt. Wer einen Moment innehält, meint fast, den würzigen Holzrauch noch zu riechen. Eine Ahnung von Ruß, Feuer und frisch gebackenem Brot scheint in der Luft zu liegen. Doch das Feuer in dem alten Steinbackofen ist seit Jahrzehnten erloschen. Das allerdings soll sich bald wieder ändern. Denn das alte Backhaus mit dem Ofen auf dem Brookhoff in Lüllau erstrahlt in neuem Glanz. „Das Backhaus gehört einfach dazu“, sagt Besitzer Achim Peters. Den müsse man einfach erhalten. Unterstützung hat er dabei von der Denkmalpflege des Landkreises Harburg erhalten. Unter anderem konnte ein Großteil der Kosten über EU-Fördertöpfe gedeckt werden.
Klein und beinahe unscheinbar steht das alte Backhaus direkt an der Dorfstraße, gleich an der Hofeinfahrt. Gleich dahinter murmelt leise ein kleiner Quellbach. Die gesamte Hofanlage mit Bauernhaus, Dorfkrug, Wassermühle, Schafstall, Speicher, Hofeichen und eben dem Backhaus ist ein denkmalgeschütztes Ensemble und vermittelt einen Eindruck, wie ein großer Heidehof früher aussah. Doch der Ort wirkt nicht wie ein Museum, sondern voller Leben. Und auch in das Backhaus soll wieder Leben einziehen.
Einst war das Backhaus ein unverzichtbarer Teil des Landlebens, aus Feuerschutzgründen meist freistehend und etwas abseits gelegen. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war es auch in Lüllau üblich, Brot für den Hof ebenso wie für die Nachbarschaft selbst zu backen. Über Jahrzehnte wurde der Ofen auf dem Brookhoff etwa alle vier Wochen angeheizt. „Bis zu 100 Brote wurden dann gebacken“, erzählt Achim Peters. Eine aufwendige Angelegenheit, vier bis fünf Stunden lang wurde aufgeheizt, bis die Temperatur in der Backkammer 230 bis 240 Grad betrug und das Brot durch die Schüre, also das Ofenloch, in das Innere geschoben wurde. Um zu prüfen, ob es dort schon heiß genug war, wurde ein Laib mit einer Ähre Gerste hineingeschoben. Wenn sie hell blieb, war es noch nicht warm genug.
Achim Peters kennt das Backhaus seit seiner Kindheit, nur die „Backzeit“ war damals bereits beendet. Seit er sich erinnern kann, diente der Backsteinbau als Schuppen. „Da stand alles Mögliche drin. Mein Opa hatte sogar mal die Idee, Garagen draus zu machen.“ Doch daraus wurde nichts, und im Laufe der Zeit wurde der Bau immer weiter sich selbst überlassen und verfiel. Das Dach war undicht, die Wände wiesen tiefe Risse auf, Schutt bedeckte den Boden. So musste das Gebälk nun teilweise ebenso erneuert werden wie der Schornstein, für den die alten Steine wiederverwendet wurden.
Nun erstrahlt das Backhaus wieder wie vor fast 150 Jahren, sorgsam restauriert und bereit für eine neue Zukunft. Doch Achim Peters will dafür sorgen, dass es nicht nur als Denkmal steht und die Hofanlage schmückt, sondern es auch zu neuem Leben erwecken und dort unter anderem Backtage veranstalten, um die die alte Tradition neu aufleben zu lassen.
Das Backhaus in Lüllau ist eins von rund 1.000 Denkmalen im Landkreis Harburg, die die Landschaft oft schon seit Jahrhunderten prägen. „Die alten Backhäuser, die als solche erlebbar sind, sind aber eine Seltenheit“, sagt Caroline Kleinert, die Denkmalschutzbeauftragte bei der Kreisverwaltung. Kleinert liegt der Erhalt der Denkmale am Herzen: „Das sind Gebäude, die nicht nur eine große Geschichte und baukulturelle Bedeutung haben, sondern auch einen Blick in die Vergangenheit bieten und das Selbstverständnis und die Identifikation mit der Region prägen. Ohne diese Kulturdenkmale würde die Landschaft nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein wenig ihr Gesicht und ihre Seele verlieren“, betont Caroline Kleinert.
