14.06.2024 – Gerd Demitz

Von Schafen fasziniert

Historisches aus dem Gemeindearchiv

Foto: Gemeinde Neu Wulmstorf
Das Kalenderbild Juni aus dem „Historischen Kalender 2024“ zeigt einen Jungen mit seinen Lämmern im Neu Wulmstorfer Grenzweg um 1958. Foto: Gemeinde Neu Wulmstorf

Neu Wulmstorf – Die Schafhaltung in Deutschland hat ein traditionelles Brauchtum entwickelt, das bis heute gepflegt und bewahrt wird. Keine andere Nutztierhaltung ist so eng mit der Kulturlandschaft verflochten. Die Schafbeweidung wird heute in einem Atemzug mit der Pflege von Kulturlandschaften genannt. Auch bei der Deichpflege ist sie nahezu unverzichtbar, die Schafe halten hier nicht nur das Gras niedrig, sie treten die Grasnarbe fest und halten so auch die Wühlmäuse im Zaum. Die Schafe leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Verdichtung des Bodens und damit letztendlich zur Sicherheit der Deiche bei. Gleichzeitig ist die Schafhaltung ein Wirtschaftszweig, in dem Wolle, Felle, Fleisch und auch Milch anfallen und hat daher in früheren Zeiten eine bedeutende Rolle gespielt. Im Gegensatz zu früher spielt heute die Wolle keine Rolle mehr und ist zu einem Verlustgeschäft geworden. Das Scheren der Schafe ist mittlerweile teurer als der Erlös, der für die Wolle erzielt werden kann. Bis in die frühen 1950er Jahre wurden Schafe in Deutschland vor allem für den Wollertrag gezüchtet. Bekam man 1950 noch 4,50 DM für das Kilo Wolle, sind es heute lediglich noch 0,50 Euro.

Geschoren werden müssen die Schafe aber trotzdem, da sonst die Wolle verfilzt und verklebt, was wiederum zu Juckreiz, Hautproblemen oder Parasitenbefall bei den Tieren führen kann.

Schon seit einigen Jahren hat das Lammfleisch, die Wolle als wichtigstes Produkt abgelöst. Die Wanderschäfer mit ihren Herden, die das idyllische Bild in der Öffentlichkeit prägten, werden leider immer weniger. Heute gibt es deutlich weniger Haupterwerbsschäfereien, sondern eher Betriebe im Nebenerwerb. Stattdessen hat die Hobbyhaltung stark zugenommen. Viele Menschen sind nach wie vor von den Schafen fasziniert. Sie betreiben ihre Schafhaltung aus Leidenschaft und Liebhaberei. Diese so sanft blickenden Schafe sind sehr soziale Tiere. Sie bauen Freundschaften auf, suchen die Nähe zu anderen und dies nicht nur innerhalb der eigenen Art, sondern auch zu anderen Tieren, zum Menschen und empfinden Trauer, wenn eines ihrer Herdenmitglieder stirbt.

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